Dieser Zürcher suchte rastlos nach Erdöl

Arnold Heim 1958 bei erfolgreichen Bohrungen im Iran. Foto: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv/Arnold Heim

Vor 100 Jahren arbeiteten viele Schweizer Geologen für Erdölunternehmen. Einer von ihnen war Arnold Heim. Er reiste um die Welt, um Öl zu finden.

Die Corona-Krise stellte die Erdölbranche auf den Kopf. Die Abnehmer fehlten, die Nachfrage ging drastisch zurück, und die Preise fielen. Mittlerweile sind die Erdölpreise zwar wieder gestiegen, doch die Achterbahnfahrt hatte Auswirkungen auf die ganze Weltwirtschaft.

Noch vor etwa 100 Jahren, zu Beginn des 20. Jahrhunderts, war die Ölproduktion kaum ausgebaut. Es herrschte wegen der Petroleumlampe oder der ersten Autos mit Verbrennungsmotoren Knappheit. Die Suche nach Öl versprach Reichtum. Ein Konkurrenzkampf zwischen Europäern und Amerikanern entflammte.

Spezialisten waren gefragt
Ab 1910 und in den 1920er-Jahren kam es zu einer Professionalisierung in der Erdölforschung. Die Nachfrage nach Spezialisten stieg. «Erdölunternehmen heuerten fortan regelmässig ausgebildete Geologen für verschiedene Teile der Welt an, zunächst überwiegend mit temporären Verträgen, später mit Festanstellungen», heisst es im Buch «‹Swiss Gang› – Pioniere der Erdölexploration». Auch Schweizer erhielten Jobs.

Einer der Ersten, die sich im Ausland bewarben, war der Zürcher Arnold Heim. «Zahlreiche Aufträge für Ölexpertisen während fast 50 Jahren für die wichtigsten Erdölgesellschaften machten ihn zu einem bedeutenden Pionier und führenden Erdölgeologen seiner Zeit», schreibt Historikerin Monika Gisler.

Der 1882 geborene Heim ging ins Ausland, weil es für Geologen im eigenen Land kaum Arbeit gab. International waren Schweizer Geologen – hauptsächlich Männer – hingegen begehrt. Dies nicht nur wegen der guten Ausbildung an den Hochschulen. Für viele Unternehmen waren sie interessant, weil sie aus einem neutralen Land stammten. Das galt vor allem in Kolonien oder ehemaligen Kolonien als Vorteil. So wurde etwa in Niederländisch-Indien Öl gefördert. Das Land war ein Vorläufer Indonesiens und stand unter der Herrschaft der Niederlande.

Arnold Heim hatte an der ETH studiert und trat in die Fussstapfen seines Vaters Albert Heim. Dieser gilt als einer der bedeutendsten Geologen seiner Zeit. Arnold Heims Mutter war die erste Schweizer Ärztin, Marie Heim-Vögtlin. Mit Anna Heer gründete sie die erste Frauenklinik. Solch einflussreiche Eltern zu haben, dürfte für Arnold Heim auch eine Bürde gewesen sein. Er entwickelte sich zu einem Experten, blieb jedoch ein Umgetriebener. Den Wunsch des Vaters, eine akademische Laufbahn einzuschlagen, erfüllte er nicht. Heim lehrte zwar als Privatdozent an der Universität Zürich und der ETH, war kurze Zeit Professor an der Sun-Yat-sen-Universität im chinesischen Guangzhou. Mehrheitlich war er aber als Forscher und zeitweise im Auftrag von Erdölgesellschaften unterwegs. Sein Interesse galt nicht nur der Geologie, sondern der Naturbeobachtung. Heim kritisierte auch das Verhalten des weissen Menschen gegenüber anderen Völkern.

Mit dem Auto durch die Sahara
1909 nahm Heim an der ersten Schweizer Grönland-Expedition Alfred de Quervains teil, der das Landesmuseum Zürich 2020 eine Ausstellung widmete. In der Zeit zwischen den Weltkriegen, also ab Ende November 1918 bis September 1939, führte Heim für Shell geologische Untersuchungen durch, darunter in Neukaledonien, Australien und Tahiti. Der Geologe war für die «Eastern Syndicate» in Kuwait und Bahrain. «Arnold ölt scheint’s wieder», schrieb Berufskollege Daniel Trümpy 1920. Heim begleitete den Flugpionier Walter Mittelholzer auf dessen erster Nord-Süd-Durchquerung Afrikas in einem Wasserflugzeug oder durchquerte die Sahara in einem Citroën. Finanziell waren die Aussichten nicht rosig, die Suche nach Öl fand unter beschwerlichen Bedingungen statt und war nicht immer erfolgreich.

Seine erste gesicherte Stelle erhielt Heim erst 1949. Der bald 70-Jährige wurde Chefgeologe der staatlichen Iran Oil Co. Mit fast 80 Jahren war der Zürcher nochmals als Experte tätig, dieses Mal für die Regierung von Taiwan. Zeitlebens hatte er sich dafür eingesetzt, auch in der Schweiz Erdöl zu finden. Er war überzeugt, man könne Mengen erzielen, um den Landesbedarf zu decken. Aus heutiger Sicht ist klar – «Erdöl aus der Schweiz bleibt ein Wunschtraum», wie es im Buch «‹Swiss Gang› – Pioniere der Erdölexploration» heisst.

Heim starb 1965. Er wurde auf dem Friedhof Sihlfeld beigesetzt.

Zum Weiterlesen Monika Gisler: «‹Swiss Gang› – Pioniere der Erdölexploration». Verein für wirtschaftshistorische Studien, Zürich, 2014. www.pioniere.ch

Zuerst veröffentlicht in «Züriberg» vom 25. Juni 2020.

Veröffentlicht von Pascal Turin

Pascal Turin is a journalist from Zurich, Switzerland.

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